Die Kreuzritter
Das Mittelalter war ja nicht wirklich finster. Es gab nur nicht allzu viel Unterhaltung. Gut. Die Kreuzzüge. Alle Hundert Jahre. Aber die waren auch nichts worauf man sich richtig freuen konnte. Keiner wusste so richtig wohin. Es gab keine richtigen Landkarten. Es muss ein elendes herumirren gewesen sein. Man wollte die Kreuzzüge schon Kreuz- und Querzüge nennen.
Aber eines Tages haben sie es geschafft zum Grab Christi. Zumindest in die Nähe. Wie müssen wir uns das vorstellen?
Die Ankunft der Kreuzritter in Jerusalem!
Bestimmt hat der Anführer einen Ortskundigen angeheuert.
„So, Nun zeig uns mal dieses Grab. Freundchen. Aber Dalli. Und keine Tricks! Das Du uns hier nicht irgendein Allerweltsgrab andrehst! Marsch Marsch!“
Der Ortskundige marschiert mit schlotternden Knien voran. Denkt sich Sachen wie : „Mamma mia. Das hab ich nun davon. Für drei lumpige Taler. Was hab ich mir dabei nur gedacht. Schöner Mist.“
Hinterher die verlausten, geschwächten Kreuzritter. Lauter Adlige die sich die ganze Sache viel komfortabler vorgestellt hatten. Sich ratlos am Kopf kratzen. Sich kaum noch im Sattel halten können.
„Wo ist denn nun dieses verschissene Grab Christi?“ ruft einer.
„Noch ein kleines Stück“ flüstert der Ortskundige. „Da vorn. Das ist es“. Dann versucht er, sich unauffällig aus dem Staub zu machen.
„Halt du Vogelkasten!“, ruft der Anführer und bekommt das Bäuerlein an den Ohren zu fassen. „Das soll das Grab Christi sein?“
Die Kreuzritter steigen nicht mal von den Pferden ab.
Einer kichert hysterisch. Man ist konsterniert. Die Enttäuschung beginnt bei einigen Herren umzuschlagen in Verzweiflung. Dafür hat man Frau und Kind verlassen und sich jahrelang mit irgendwelchen Heiden rumgeschlagen?
Der Ortskundige räuspert sich verlegen. „So und so... Genossen...das ist die Lage: Das Grab Christi!“
Ein lumpiger Stein. Ein paar Büsche ringsherum. Nicht mal ein Schild. Keine Erinnerungstafel oder so was.
Wahrscheinlich haben die Kreuzritter den armen Ortskundigen sofort abgemurkst.
Haben ihn vorher noch ein bisschen misshandelt um sich abzureagieren.
Die Ritter schlurfen den Weg zur Stadt hinunter und massakrieren unterwegs ein Gruppe Bäuerlein. Es kommen Fragen auf.
Zum Beispiel die Frage danach welche Pfeife sich den ganzen Mist überhaupt ausgedacht hat.
„Der Papst?“ fragt ein pickliger Lehnsgraf aus dem Sachsenland. „Wird schon seine Gründe gehabt haben. Muss er doch.“

„Ach was!“, ruft ein anderer und zerrt sein Schwert aus der Leiche eines Bauern. „Die da oben wissen doch gar nicht was läuft. An der Basis.“
„Mir haben sie nur gesagt das Heilige Grab muss befreit werden und so. Und ob ich mit mache. Ich hab gesagt so seht ihr aus, ich hab ne Menge zu tun, so ein Lehen macht sich auch nicht von alleine. Und wenn ich weg bin tanzen meine Bauern nackig auf dem Hof Quadrille! Da haben sie gesagt: Egal ...der Papst hat so Sachen angedeutet...also...mit anderen Worten: Du musst oder...“ Der Sachse macht das Zeichen für Kopf ab und schweigt.
Der andere pfeift durch die Zähne.
„Heilige Scheiße. Soviel zum Thema Freiwilligkeit und Freiheit des Willens im Besonderen! Und das verschissene Grab Jesum ist nur ein verschissener Scheißhaufen inmitten einem Haufen Scheiße und unter einer scheißheißen Scheißsonne! In einem Scheißland voller Scheißtypen! Und wir sind mitten IN dieser ganzen Scheiße! SO siehts doch aus!“ Und weil ihm scheint das er das Wort Scheiße nicht oft genug in seiner Tirade hatte vorkommen lassen atmet er noch ein mal tief ein und ruft: „Ihr Scheißer!“
Die anderen Ritter schweigen bewundernd wegen der Sprachgewalt ihres Genossen .
Es wird immer heißer, die Kreuzritter schwitzen unter ihrer Rüstung und das Unternehmen geht ihnen maßgeblich auf den Keks.
Von weitem hört man Glocken, aber anders als zu Hause. Irgendwie höher.
Alles in diesem Land ist anders als zu Hause und nervt maßlos.
Zu Hause hat der eine oder andere ein Bild mit Darstellungen des gelobten Landes gesehen und hier wird ihnen klar das all diese Bildchen totaler Humbug sind, nichts darauf entspricht der Wahrheit, es ist kompletter Blödsinn.
Angefangen bei den prächtigen Zedern die nichts anders sind als mickrige, Büsche die nicht einmal brennen wie es in der Bibel an irgendeiner Stelle erwähnt ist.
Dem einen oder anderen Kreuzritter wird klar das er zu Hause mit der sogenannten künstlerischen Freiheit mal ordentlich ins Gericht gehen muss. Am besten vor ein Kriegsgericht. Was diese Schmierfinken sich ausdenken hat schließlich Einfluss auf militärische Entscheidungen.
Denn wenn einer muntere Bächlein hinpinselt wo keine sind und man verlässt sich drauf, dann nimmt man unter Umständen weniger Wasser als Proviant mit und vor Ort ist dann die Kacke am dampfen.
Die Kreuzritter finden einen Gasthof den sie vor lauter Nervosität anzünden bevor sie ihn plündern. Alles läuft aus dem Ruder.

In späteren Aufzeichnungen über die Mission findet man folgenden Hinweis: „Im Jahr des Herrn 1456 befrieht der grote Ritter Heino von Harlzgrund unt seyne tapfern Begleyter das Grab Christum gegen ein gräulich Heer von 100000 Heyden zu Gottes Gefalln. Mahlzeyt.“

Und das war die Sache doch wert.

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